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Reisetagebuch Ghana Februar 2026 3/6

  • 2. Apr.
  • 5 Min. Lesezeit


EWIA-CEO Ralph Schneider ist derzeit mit Mitarbeiter Jonathan Baumann in Ghana unterwegs. Wie sich ihr Tag gestaltet, wen sie wo wann warum treffen, lest ihr hier. 

 

 Tag 8: 16. Februar, Montag – Accra

Dass man sich an Ghana gewöhnen muss, hat leider auch Jonathan schmerzhaft feststellen müssen. Die Umstellung der Ernährung, das Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und Hitze, das Schlafen mit Klimaanlage, die Einnahme von Malariamedikamenten fordern ihren Tribut. Es ist Jonathans erste Reise nach Westafrika, entsprechend musste er sich gestern und auch heute temporär eine Auszeit nehmen.


Wie man Fischfarmen nachhaltig bekommt

Der heutige Tag steht unter unterschiedlichen Vorzeichen. Zum einen habe ich zum Lunch eine Verabredung mit der Geschäftsführung eines unserer stärksten Wettbewerber. Zum anderen haben wir das erste Meeting mit einem großen potentiellen Kunden. Es geht um die Elektrifizierung einer Fischfarm, die nachhaltig betrieben wird. Teil des Nachhaltigkeitskonzepts ist auch die ökologische Stromerzeugung mit Photovoltaik. Ziel ist es, sogar eine Carbon Credit-Finanzierung hinzubekommen. Das Volumen soll sich auf eine 750 kWp-Anlage mit einem 1 MWp-Speicher belaufen. Eine Besonderheit wäre es, die Überdachung der Fischzuchtbecken mit der PV-Anlage zu bauen. Der Strombedarf pro Tag beläuft sich auf rund 2,2 MWh pro Tag.


Am Nachmittag dann nochmals ein intensives Gespräch mit Klimja hinsichtlich der Finanzierung unseres Projektes Waterfalls in Kamerun. Hier gibt es noch einigen Klärungsbedarf. Unser Meeting mit ACARP wurde jetzt auf morgen um 09:30 Uhr vor Ort vereinbart. Das bedeutet, morgen um 08:00 Uhr müssen wir das Office verlassen.


Tag 9: 17. Februar, Dienstag – Accra

Ein richtig geschäftiger Tag. Morgens um 08:00 geht es in Richtung Norden, um zur Recyclinganlage ACARP zu fahren. Wir kommen erst etwa 08:10 Uhr los. Verkehr in Afrika ist unberechenbar. Wir brauchen für rund 30 km etwas mehr als 1,5 Stunden. Die Straßen sind mittlerweile teilweise bereits deutlich besser ausgebaut. Dennoch gibt es Streckenabschnitte, die eher an eine Offroad-Piste erinnern. Stau, liegengebliebene Autos, Lastwagen und Schlaglöcher, in denen Kleinkinder verschwinden könnten. Die letzten 2-3 km sind eine einzige Huckelpiste, vorbei an eher einfach gehaltenen Gebäuden.Davon auch viele Wellblechhütten.


State-of-the-art Recycling

Als wir ACARP erreichen, sind wir zunächst überrascht, moderne, gepflegte Gebäude vorzufinden mit großzügigen Industrieanlagen und Hallen. Dies stellt zudem einen starken Kontrast zu den Häusern und Siedlungen, die wir die ganze Zeit passiert haben, dar.


Wir werden vom Geschäftsführer und einer Delegation empfangen. ACARP stellt ihr Unternehmen professionell mit mehreren Image-Filmen und einem geschulten Management-Team vor. Die Gruppe ist in Afrika an mehr als 70 Standorten vertreten. Dazu gehören auch eine Bank und eine Versicherung. Anschließend findet die Besichtigung des Unternehmens statt. Wir fahren mit einem Elektromobil quer über das Gelände der Fertigung. Dies erinnert mich an meine Zeit in China bei Yingli. Auch dort fuhr man ständig mit irgendwelchen Golf Cars von einem Gebäude zum nächsten. Der CEO stellt uns jeden einzelnen Fertigungsschritt persönlich vor. Auch die Produkte werden genau erläutert. Hier wird organisches, aber auch anorganisches Recycling betrieben. Das heißt, es werden auch Plastikgranulat und Kisten hergestellt. Aber auch eigener Flüssigdünger produziert.


Improvisationsvermögen ist gefragt

Eine Überraschung haben wir dann doch noch erlebt. Bisher sind wir davon ausgegangen, eine große Dachanlage zu errichten. Jetzt wurde der Wunsch geäußert, statt einer Dachanlage eine Freiflächenanlage zu errichten. Diese erfordert massive Umplanungen und hat eventuell Auswirkungen auf die Kostenstruktur und auf die Ratenhöhe. Die Techniker unter sich waren sich schnell einig. Da ich selbst langjährige Erfahrung mit Freiflächenanlagen habe, besichtige ich den Standort persönlich. Von der Bodenklasse und Geländegröße dürfte es kein Problem geben. Dennoch sind umfassende Drainage-Arbeiten erforderlich, um bei starken Regenfällen eine Pfützen bzw. „Seebildung“ zu vermeiden.

Anschließend noch die obligatorische Fotosession. Der Weg zurück dauert die gewohnten 1,5 Std.


Skalierung und was sie kostet

In unserem Company-Haus treffen wir auf Frank Mensah. Frank ist der Geschäftsführer unseres Joint Ventures EWIA Infrastructure Ltd.  und ist extra aus Belgien eingeflogen. Wir sind zusammen etwa anderthalb Wochen in Ghana. Am Nachmittag haben wir einen Termin mit einem unserer nächsten Kunden. Die Diskussion dreht sich um neueste Glasfaserprojekte und wir wollen hier einen Rahmenvertrag vereinbaren. In einem ersten Schritt werden wir mit zwei Teams beginnen, um dann auf sechs Teams zu skalieren. Eine der großen Herausforderungen ist die entsprechende Ausstattung der einzelnen Teams. Jedes Team benötigt einen eigenen geschlossenen Wagen und darüber hinaus auch entsprechendes Equipment, was Investitionen von rund 15.000€ pro Team bedeutet. Eine Entscheidung, die wir innerhalb des Boards abstimmen müssen.

Am Abend treffen wir einen ehemaligen Kollegen, mit dem ich schon bei Yingli Namene in Ghana zusammengearbeitet habe. Wir probieren dafür ein neues Lokal aus und diskutieren über Jan Baurs Pläne, Tiny Houses auf Bambusbasis zu errichten. Wir stellen dabei fest, dass ich ihn vor elf Jahren nach Ghana gebracht habe und er jetzt fest mit Ghana verwurzelt ist. 


Digitalisierte Restaurants – theoretisch

Das Restaurant, das wir besuchen, ist eine Empfehlung eines unserer ghanaischen Kollegen, ein neu eröffnetes afrikanisches Restaurant. Sowohl die Einrichtung als auch die Atmosphäre sind wirklich sehr ansprechend. Schnell merken wir, dass afrikanisch hier groß geschrieben wird. Die Bedienungen sind häufig überfordert, die Menüs, die nur mit QR-Code  heruntergeladen werden können, funktionieren nicht. Gefühlt kommen auf einen Gast drei Bedienungen. Ein Faszinosum an Afrika ist für mich, wie es die Bedienungen in Afrika schaffen, konzentriert in eine andere Richtung zu blicken, so dass man weder eine Bestellung noch eine Nachbestellung aufgeben kann. Ich zähle neun Bedienungen, die einheitlich über Minuten gelangweilt demonstrativ ihren Kopf im fast 90°-Winkel von uns weg drehen. TIA – this is Africa.


Tag 10: 18. Februar, Mittwoch – Accra

Den Tag lassen wir wie gewohnt mit einem intensiven Board Meeting beginnen. Das ist heute auch zwingend notwendig, denn der heutige Tag steht komplett im Zeichen unserer Gesellschafterversammlung. Bereits vor Wochen haben wir den 18.2. als Termin zur Gesellschafterversammlung festgelegt. Ich habe mich bewusst dazu entschieden, die MS Teams-Konferenz dieses Mal aus Accra zu gestalten. Die Frage dabei ist jedoch, ob die Leitung stabil bleibt. Häufig erweisen sich sowohl Elektrizität als auch Internet nicht nur als instabil, sondern fallen sogar aus. Es kommt, wie es kommen musste: Während der Sitzung fällt der Strom aus. Gott sei Dank können wir mit einem UPS-Batteriesystem den kurzfristigen Stromausfall überbrücken. Am Vormittag hätte noch ein Kundentermin stattfinden sollen, der jedoch kurzfristig abgesagt wurde. 


Ghanaisches Gumbo

Unsere Housekeeping Mate überrascht uns heute Mittag mit experimenteller ghanaischen Küche. Die bestellten Nudeln, die viel zu weich gekocht wurden, werden nochmals angebraten. Dazu gibt es eine Mischung aus Dosenwürstchen, Fischstücken, Gemüse und Eiern und noch Fleischeinlagen. Eine Kombination bei Saucen und Eintöpfen aus Fisch und Fleisch und scharfen Noten ist nicht ungewöhnlich in Ghana. Für meinen europäischen Gaumen jedoch grenzwertig. 


Erstversorgung: Funktioniert

Mein Kollege Jonathan hat zudem heute Morgen festgestellt, dass er sich eine Entzündung in einem Auge zugezogen hat. Kurzfristig arrangieren wir einen Augenarzttermin in einer Klinik, den unsere Sales-Assistenz Stefanie perfekt organisiert. Es stellt sich zum Glück heraus, dass es sich um eine eher harmlose Entzündung handelt. Dennoch ist Jonathan die nächsten Tage beim Sehvermögen stark beeinträchtigt.



 
 
 

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