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Senegal heißt die Welt willkommen zu den Olympischen Jugendspielen

vor 5 Stunden
4 Min. Lesezeit
Mann im weißen ewia-Poloshirt vor Banner Solar Investment for Africa, Arme verschränkt, ruhiger Blick

Let the games begin! Zwischen dem 31. Oktober und dem 13. November treten rund 2.700 junge Athletinnen und Athleten in 35 Sportarten bei den Olympischen Jugendspiele in Senegals Hauptstadt Dakar, in Diamniadio und Saly an. Eine Premiere und eine Zäsur, denn hierbei handelt es sich um die erste olympische Sportveranstaltung in Afrika überhaupt. Tatsächlich drückt sich darin auch die sukzessive Emanzipation des Kontinents aus. Die Kräfteverhältnisse verschieben sich langsam zugunsten des Globalen Südens. 


Africa welcomes, Dakar celebrates: Nach Singapur 2010, 2014 Nanjing und 2018 Buenos Aires – 2022 fielen sie wegen der Covid-Pandemie aus – finden die 4. Olympischen Jugend-Sommerspiele überhaupt derzeit in drei Städten Senegals statt. Die Spiele sind kleiner als die konventionellen Olympischen Spiele, so dass auch kleinere Städte die Möglichkeit haben, dieses olympische Multisport-Event auszutragen.


Deshalb Senegal

Der Senegal wurde vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) als Ausrichter der Olympischen Jugendspiele 2026 ausgewählt, da das Land als stabilster, am besten vorbereiteter und politisch attraktivster Kandidat galt, um das historische erste olympische Großereignis auf afrikanischen Boden zu bringen.


Bei der finalen Entscheidung im Jahr 2018 setzten sich die Westafrikaner gegen die Mitbewerber Botswana, Nigeria und Tunesien durch.

Ein zentraler Grund für das IOC war das Bewerbungskonzept Senegals, das stark auf bestehende Infrastruktur und die Modernisierung bereits vorhandener Sportstätten setzte. Anstatt millionenschwere, neue Stadien zu bauen, die nach den Spielen ungenutzt verfallen (sogenannte „weiße Elefanten“), wurden bewährte Anlagen wie das Piscine olympique de Dakar oder das Stade Iba Mar Diop saniert und modernisiert. Das Olympische Dorf in der Nähe von Dakar wird nach den Spielen als Studentenwohnheim weitergenutzt.


Das IOC hatte bereits im Vorfeld beschlossen, dass die vierten Jugendspiele gezielt an ein afrikanisches Land vergeben werden sollten, um die Rolle des Kontinents im Weltsport zu stärken. Senegal präsentierte mit dem offiziellen Motto „Africa welcomes, Dakar celebrates“ ein pan-afrikanisches Konzept. Das IOC sah in Senegal den perfekten Botschafter, um die afrikanische Jugend zu mobilisieren, sportliche Perspektiven vor Ort zu schaffen und dem Kontinent eine globale Bühne zu bieten. Senegal lässt sich die Spiele einiges kosten, um sich der Welt zu präsentieren.

Das Konzept verteilte die Spiele geschickt auf drei unterschiedliche, bereits florierende Hubs im Westen des Landes, nämlich die lebendige, traditionsreiche Hauptstadt Dakar, die neu entstehende Planstadt Diamniadio, die moderne Veranstaltungszentren wie die Dakar Arena oder das neue Nationalstadion bietet, und der beliebte Küstenort Saly, der optimal für Beach- und Wassersportarten geeignet ist



Afrikas Gewicht nimmt zu

Die Olympischen Jugendspiele sind nur ein Beispiel für ein sich veränderndes Kräfteverhältnis in Richtung Global South. 54 der derzeit 193 von den UN anerkannten Staaten liegen in Afrika, knapp 28% aller Staaten weltweit. Die Bevölkerung Afrikas liegt bei rund 1,58 bis 1,60 Milliarden Menschen und stellt aktuell knapp 19,1 % der Weltbevölkerung. Vor 20 Jahren lag der Anteil noch bei 13-14 %. Laut UN-Prognosen wird Afrikas Anteil an der Weltbevölkerung bis 2030 auf ca. 20 % und bis 2050 auf etwa 25 % ansteigen. Der Trend ist eindeutig. 


Daher ist das Ausrichten globaler Großveranstaltungen Symptom und Katalysator zugleich: Es spiegelt die wachsende demografische und wirtschaftliche Dynamik Afrikas wider und beschleunigt den geopolitischen Bedeutungsgewinn des Kontinents.


Dass der G20-Gipfel im November 2025 erstmals auf afrikanischem Boden in Johannesburg stattfand, unterstreicht diesen Wandel deutlich. Auch in der Diplomatie zeigt sich das veränderte Gewicht: Die Afrikanische Union (AU) wurde 2023 als ständiges Mitglied in die G20 aufgenommen.


Kenia hat sich als Vorreiter in erneuerbaren Energien etabliert und konsequent den Africa Climate Summit ausgerichtet. Das Ziel war es, Afrika nicht als Opfer des Klimawandels, sondern als Lösungsproduzent (z. B. für grünen Wasserstoff und Solarstrom) zu positionieren. A propos: Senegal belegt mit einer installierten Solarkapazität von rund 671 Megawatt (MW) im Jahr 2026 den dritten Platz in ganz Westafrika. Das gut 18 Millionen Einwohner zählende Land nimmt damit eine regionale Vorreiterrolle bei der Energiewende in Subsahara-Afrika ein.


Auf dem UN-Klimagipfel COP27 2022 im ägyptischen Scharm El-Scheich setzten die afrikanischen und weltweiten Entwicklungs- und Schwellenländer den historischen Beschluss für einen globalen Fond für Klimaschäden (Loss and Damage) durch. Ebenfalls in Ägypten fand im November 2024 das World Urban Forum 12 statt, das von den Vereinten Nationen (UN-Habitat) ausgerichtete globale Forum für nachhaltige Stadtentwicklung, das Lösungen für das rapide Städtewachstum suchte.


Jugend ist Trumpf

Die Olympischen Jugendspiele, deren Teilnehmer:innen 14 bis 18 Jahre alt sind, finden derzeit dort statt, wo sie hingehören. Weil die Demographie in Afrika insgesamt und in Senegal insbesondere eindeutig ist: Während in Deutschland das Medianalter (das genaue Mittel, bei dem die eine Hälfte der Bevölkerung älter und die andere jünger ist) bei etwa 45 bis 47 Jahren liegt, was Deutschland zu einem der Länder mit einer der ältesten Bevölkerungen weltweit macht, liegt das Medianalter in Senegal bei etwa 19,8 Jahren. Etwa die Hälfte der senegalesischen Bevölkerung ist somit jünger als 20 Jahre. Der Schnitt (Median) in der gesamten EU liegt bei ebenfalls sehr hohen 44,5 Jahren.


Allerdings hat die Demographie auch ihre Tücken. Senegal hat mit hoher Arbeitslosigkeit gerade unter den Jugendlichen zu kämpfen. Eine – hausgemachte – Finanzkrise – sorgt gerade dafür, dass viele Jugendliche das Land verlassen, oft über die gefährliche Route über den Atlantik in Richtung Kanaren (mehr dazu hier).


Nach dem Event ist vor dem Event?

Stolz sind sie im Land auf die Spiele und die Preise der Eintrittskarten sind für die einheimische Bevölkerung sehr erschwinglich gestaltet, so dass sie auch etwas davon hat. Dennoch: Nicht nur IOC-Präsidentin Kirsty Coventr, die erste Afrikanerin an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees, hofft, dass die Jugendspiele lediglich eine Art Generalprobe sind für die “richtigen” Olympischen Spiele. 


Afrika ist der einzige Kontinent (wenn man die Antarktis nicht zählt), der noch nie die regulären Olympischen Spiele ausgerichtet hat. Der Kontinent macht sich entsprechend Hoffnung, dass das nicht mehr lange so bleibt. Auch weil die Spiele nicht nur eine riesige Marketingveranstaltung für den jeweiligen Gastgeber sind und Millionen Touristen ins Land bringt, sondern auch immer Milliarden in die Infrastruktur investiert werden. 



 
 
 

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