Reisetagebuch Ghana Februar 2026 1/6
- 10. März
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. März

EWIA-CEO Ralph Schneider ist derzeit mit Mitarbeiter Jonathan Baumann in Ghana unterwegs. Wie sich ihr Tag gestaltet, wen sie wo wann warum treffen, lest ihr hier.
Tag 1: 09. Februar, Montag
Um 5:25 Uhr geht es los. Mit dem Auto zum Flughafen München. Um diese Zeit dauert die Fahrt 40 Minuten. Es ist dunkel, regnerisch und doch schon viel los auf der Straße. Verabschiedung von meiner Frau Karin und der Familie. Wieder 3 Wochen unterwegs. Wieder 3 Wochen in Afrika. Davon 2 Wochenenden.
Flug von München nach Brüssel. Umsteigen, Passkontrolle, Flug nach Accra. Dieses Mal geht der Flug über Cotonou in Benin. Das heißt, wir brauchen rund 9 Stunden ab Brüssel statt der üblichen 6,5 Stunden. Ein langer Tag. Reisetage nach Afrika und zurück bestehen vor allem aus Warten, Sitzen, Warten, Sitzen und wieder Warten. Wir warten an der Sicherheitskontrolle. Wir warten auf das Einchecken und Boarden, wir sitzen lange im Flieger. Wir warten wieder bei den Zwischenlandungen, warten, bis wir aussteigen können. Warten an der Passkontrolle. Warten am Gepäckband. Von Tür zu Tür waren wir rund 17 Stunden unterwegs.
Bye, bye, deutscher Winter
Nana, unser Managing Director in Ghana, holt uns am Flughafen ab. In Deutschland hatten wir rund 0 °C. Hier in Accra erwarten uns 28 °C und das um 22:00 Uhr, was 23:00 Uhr deutscher Zeit entspricht. Für Jonathan, unseren jungen Executive Assistant, ist es der zweite größere Afrikatrip. Was für ihn aufregendes Neuland ist, bedeutet für mich viel lästige Routine. Wie oft war ich schon in Westafrika? 30, 40 Mal oder waren es doch schon mehr als 50 Trips – allein nach Westafrika? Jedes Mal war ich 2-3 Wochen unterwegs, manchmal auch 4 Wochen und länger. Zusammengerechnet habe ich also mehrere Jahre in Westafrika verbracht. Viel gewartet, viel gestaunt.
Wir kommen um 22:00 Uhr im Company Haus in Accra an. Unsere Haushälterin Naomi hat uns etwas zu essen hergerichtet. Ein erster Technik-Check, Klimaanlage und Wasser laufen. Allerdings hat der Ventilator auf der Terrasse den Geist aufgegeben. Zeit, schlafen zu gehen.
Tag 2:10. Februar, Dienstag
Um 08:00 Uhr beginnt schon wieder unser Board Meeting. Online. Um 7:45 Uhr habe ich zuvor schon einen Anruf von einer unseren EPC-Companies erhalten. Bei unserem ACARP-Projekt, der Bio-Kompost- und Recyclinganlage in Accra, stehen eventuell Umplanungen an. In einem solchen Moment stellt sich die Frage: Liest ein CEO nur das Reporting – oder greift er vor Ort ein?
Zeit ist dehnbar in Afrika
Die Zeitverschiebung zwischen Deutschland und Ghana beläuft sich aktuell auf 1 Std. In der Sommerzeit sind es 2 Stunden. Bei jeder Terminvereinbarung muss man mitdenken, welche Zeit tatsächlich gemeint ist. Häufig sind meine afrikanischen Kollegen damit überfordert, wenn es um detaillierte Zeitabsprachen geht. Gleich um 9:30 Uhr haben wir unser Online Marketing Meeting, gefolgt vom Team Meeting. Vorstellen der neuen Kollegen. Rohda, eine junge Ingenieurin, hat gerade bei uns angefangen. Für mich ist es eine Überraschung, auf ein neues Gesicht zu stoßen, insbesondere weil Rohda genau gegenüber von mir Platz genommen hat. Wer zuletzt kommt, muss anscheinend beim Chef sitzen.
Danach gleich ein intensives Budgetgespräch mit der ghanaischen Geschäftsführung. Unser Frühstück nehmen wir zwischendurch ein. Nachmittags stehen unsere Quartals-Reportings auf dem Programm.
Parallel bereite ich bereits die Präsentation für die Gesellschafterversammlung am 18.02. vor. Gegen 19.35 Uhr deutscher Zeit schalte ich den Computer aus.
Petrus hält sich nicht an den Feierabend
Auf dem Weg zum Dinner haben wir dann noch eine Überraschung erlebt. Trotz Trockenzeit fängt es wie aus Kübeln zu schütten an. In unserer Not flüchten wir uns in ein Pub um die Ecke. Es ist eine Sportsbar. Die meisten Gäste haben sich auch ins Innere gerettet. Regen in Ghana bedeutet zumindest Internetausfall und vor allen Dingen langes Warten aufs Essen. Nach zwei Stunden regnet es immer noch, aber erträglich. Die 500 Meter ins Company House müssen wir uns mit dem Nass von oben arrangieren. Unser erster Tag in Accra geht zu Ende.
TAG 3: 11. Februar, Mittwoch
Seit 7:45 Uhr sitze ich wieder am Computer inmitten unseres Teams. Nach dem gestrigen Regen kam der erwartete Internet-Ausfall. Alles offline. Kein Zugriff auf unseren Server bzw. die Cloud. Unser Board Meeting um 08:00 Uhr ghanaischer Zeit muss ich über das Smartphone abhalten. Die Verbindung ist sehr schlecht, bricht immer wieder ab.
Ghanaisches Controlling
Mit der Buchhaltung muss ich ein paar Kalkulationen besprechen. Die Zahlen der Budgetplanung passen nicht zusammen. Es gibt immer wieder Verständigungsprobleme, da das Denken in Strukturen zwischen Ghana und Deutschland vollständig unterschiedlich ist. Begrifflichkeiten werden anders interpretiert. Was ist ein Budget, eine Bill, eine Invoice, eine Calculation? Meistens wagen die Mitarbeiter auch nicht zu sagen, wenn sie etwas nicht verstanden oder eine andere Auffassung haben. Das Thema ist die Power Distance. Kritische Auseinandersetzung ist meistens Fehlanzeige.
Keine Warnsignale
Um 11:00 Uhr dann eines der unangenehmsten Themen überhaupt. Wir mussten einen Mitarbeiter entlassen, weil es zu einem Fehlverhalten gekommen war, das uns vollkommen überraschte. Solche Meetings sind anstrengend und unangenehm. Anschließend gilt es, Gesellschafter zu informieren, Maßnahmen festzulegen und die entsprechenden Compliance-Vorkehrungen für die Zukunft zu etablieren.
Nichts als Warnsignale
Am Abend stürze ich mich erstmals wieder mit dem Auto in den Verkehr von Accra. Unseren Leihwagen zeichnet vor allen Dingen eins aus: Jede nur erdenkliche Kontrollleuchte blinkt und erlischt nicht. Disco-Effekt auf Afrikanisch. Kein beruhigendes Gefühl.
Tag 4: 12. Februar, Donnerstag
Gestern früh im Bett gewesen. Unser Abendessen haben wir in einem türkischen Restaurant eingenommen. Für mich ist es immer wieder faszinierend, dass sich alle Restaurants einen eigenen Parkplatzeinweiser leisten. Er hilft dir beim Ein- und Ausparken und hält den Verkehr auf, so dass der Restaurantbesucher bequem losfahren kann. Dies gilt aber auch für jede Mall. Die Einweiser nehmen ihren Job sehr ernst und verstehen keinen Spaß. Selbst wenn der ganze Parkplatz frei ist, winken sie dich penibel und ohne Gnade auf den Zentimeter genau in eine Parklücke. Widerspruch zwecklos.
Sofortige Konsequenzen
Nach dem gestrigen Tag stand der heutige unter der Zielsetzung, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Zum einen haben wir einen Compliance Officer implementiert. Künftig ist bei allen Vertragspartnern, auch Subunternehmern mit einem Auftragsvolumen von 5.000 GHS (knapp 384 Euro derzeit), ein KYC-Prozess durchzuführen. Wichtig war es auch, in einem gesonderten Meeting alle Mitarbeiter über die Ereignisse und Konsequenzen zu unterrichten.
Der Vormittag war zudem erneut von Internetausfall geprägt. Wieder stundenlang kein Zugriff auf Server und E-Mail-Accounts.
Großes Interesse am Portfolio
Parallel musste das Quartals-Reporting fertiggestellt werden, um den gesetzlichen Berichtspflichten nachzukommen. Die Funding-Kampagne zum EWIA Impact Portfolio Ghana 1 ist sehr erfolgreich angelaufen. Innerhalb von 24 Stunden haben wir bereits die Fundingschwelle übersprungen und innerhalb von 36 Stunden bereits mehr als 45.000 € eingesammelt. Für uns ist das ein Riesenerfolg.
Unser Sales-Team kümmert sich darum, die Kunden- und Vororttermine vorzubereiten und zu planen.
Luxus ist Accra nicht fremd
Abends sind wir zu Fuß zu einem neuen Restaurant unterwegs, das sich auf einer Dachterrasse befindet. Das “Quattro” ist auf Luxus getrimmt. Am Eingang wird man gleich von zwei Hostessen abgefangen. Als weißer Mann und mit Sakko bekommen wir Zugang. Wir werden zum Aufzug geleitet und im 4. Stock in Empfang genommen. Ohne Hinterlegen meiner Telefonnummer wollte man uns keinen Zutritt gewähren. Die Einrichtung ist modern, es gibt Sitzgelegenheiten auf der Dachterrasse. Eine eigene Bedienung. Das Menü nur digital per Tablet, das man ausgehändigt bekommt. Die Preise sind selbst für Münchner Verhältnisse gediegen. Dennoch sitzen an vielen Tischen Ghanaer, die neue wohlhabende Elite. Vor dem Gebäude parken Autos bekannter Luxusmarken.
Für zwei Personen zahlen wir dann – Jonathan hat Chicken mit Jollof Rice und ich eine wenig kreative Thunfisch-Pizza, 2 Gläser Wein und eine Flasche Wasser – rund 850 GHS. Das sind rund 65 Euro und jenseits dessen, was man in dieser Qualität bereit ist, normalerweise auszugeben. Die Rechnung entspricht etwa der Hälfte eines Monatssalärs unserer Haushaltshilfe. Ein Blick zu den anderen Tischen verrät, dass die Rechnungen dort sicherlich noch deutlich höher ausfallen werden.




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